Die Zukunft: Marken werden egal

Viele belächeln diese Branche, ich lese immer wieder gerne davon: Was die Trendforschung so für die nächsten Jahre prognostiziert. Hier beschreibt Trendforscher Christopher Sanderson rotzfrech was er über grosse Marken (Louis Vuitton ist sein Kunde!) denkt:
Wir beobachten, dass Marken an Bedeutung verlieren. Bei der Ernährung, beim Wohnen, in der Mode. Wir sind (…) nicht an der Marke interessiert, sondern an einer Dienstleistung. Diese können auch andere erbringen.
Demnach wird Apple bald von asiatischer Konkurrenz ersetzt. Und einem weiteren feuchten Traum jedes Konzernlenkers erteilt Sanderson ebenso eine Absage: Es gibt keinen steigenden Massenkonsum mehr, im Gegenteil:
Die Konsumenten in der westlichen Welt werden in Zukunft weniger Geld ausgeben. Es wird kein Wachstum mehr geben.
Ich beobachte diese Trends in meinem Umfeld schon lange. In den 90ern fing es mit H&M und Second-Hand-Mode an. Keiner trug das wegen der Marke, sondern weil es billig war und trotzdem irgendwie hip aussah. Ok, das waren Studenten-Jahre. Aber auch heute nehme ich in meiner Peer Group einen Unwillen für große Investitionen, zB in Autos oder Möbel wahr. Ein effizienter Großstadt-Flitzer sowie ein Mix aus IKEA und alten Lieblingsmöbeln tun es auch. Wenn überhaupt wird in Erlebnisse wie Reisen investiert. Außerdem reduzieren sich Konsumkosten für Medien wie Zeitungen, Musik oder Games durch die Digitalisierung. Denn im Web sind all diese Güter preiswerter als offline, oft sogar kostenlos: Etwa Online-Ausgaben von Zeitungen, Gratis-Mixtapes von Musikern oder Browser-Games mit Freemium-Pricing. (btw: Das muss nicht weniger Einnahmen für die Anbieter bedeuten. Viele Kosten durch Produktion, Zwischenhändler oder Lagerung entfallen schliesslich.) Aber den Offlline-Gütern erwächst neben billigeren digitalen Angeboten noch eine weitere Konkurrenz: Schon heute können manche Geeks einfache Produkte wie Besteck oder Aschenbecher via 3D-Printing selbst endlos duplizieren. Wenn diese Kopierer einmal massenkompatibel sind, werden uns sogar IKEA-Preise fürs Billy-Regal zu hoch erscheinen. Will sagen: Ich glaube dem Trendforscher. Die Zeit der teuren Konsumgüter und des Marken-Kultes ist vorbei.